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Whisky & Crime: Krimis mit Schuss ...

 
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Zum Fußball-WM-Finale nach Rom ...

Abendprogramm: Fußball 1 - Deutschland-Portugal 3:1

Der Piazza Navona ist einer der schönsten Plätze Roms und ein idealer Ort um einen netten Abend zu verbringen. Der Platz in Form eines länglichen Ovals wurde bereits in der Antike errichtet und diente seinerzeit als Stadion, in welchem an die 30.000 Zuschauer Platz fanden. Heute ist das Oval umrandet von Häusern, in deren unteren Räumen sich zum großen Teil Restaurants mit traditionell italienischer Küche befinden.
Foto: Rom - Fontana dei Fiumi Und natürlich gibt es auch hier wieder einen imposanten Brunnen, der Fontana dei Fiumi (Vierströmebrunnen). Ebenfalls ein Bauwerk unseres alten Bekannten Bernini. Mit seinen vier Statuen der Flussgötter (Donau, Ganges, Nil, Rio de la Plata) soll es die vier - zu Zeiten Berninis - bekannten Erdteile darstellen.

Dieser Platz ist ein Treffpunkt für Römer und Touristen. Trotz der auch hier wieder zahlreichen Menschen herrscht jedoch keine Hektik. Alt und Jung flanieren über den Platz, Straßenkünstler unterhalten das Publikum. Da gibt es die weißgeschminkte Freiheitsstatue, die den Besucher gleich beim Eintritt auf diesen Platz begrüßt oder einen Fingerpuppenspieler, der nicht nur die Kinder unterhält. Ballonverkäufer und diverse Künstler, die ihr Zeichentalent anbieten. Wer sich an der spanischen Treppe noch nicht hat portraitieren lassen, bekommt hier eine zweite Chance. Lediglich von der Fußball-WM ist noch nicht viel zu merken. Keine Fahnen, die geschwenkt werden, weder italienische noch andere, keine in den Farben ihrer Mannschaft gekleideten und geschminkten Fans. Fußball steht erst am Sonntag auf dem Programm, zumindest für die Italiener. Tja, und die wahren Fans sind wahrscheinlich gerade alle in unserer Landeshauptstadt Berlin. Man hätte ein Austauschprogramm organisieren sollen …

Foto: Rom - Piazza Navona Wir wandern an der Reihe der Restaurants entlang, werden von den Angestellten einladend begrüßt und enden schließlich auf der Mitte des Platzes, um eine Entscheidung zu treffen. Preise und Speisekarten unterscheiden sich nur geringfügig. Vor uns ist ein Restaurant mit gemütlichen Korbsesseln, die allerdings mit fliederfarbenen Stoffen bezogen sind. Es sieht etwas vornehmer aus, als die umliegenden Restaurants, aber Flieder muss nun nicht wirklich sein. Wir nehmen die Restaurants links und rechts dieser Lila-Versuchung in die engere Auswahl und - entschlussfreudig wie wir gerade sind - wollen noch einmal einen Blick auf die Karten werfen. Unser erstes italienisches Essen muss gut gewählt sein. Auf dem Weg vom rechten zum linken Restaurant fängt uns ein Angestellter des Lila-Restaurants, das eigentlich "La Dolce Vita" heißt, ab. Er spricht sehr gut deutsch und überzeugt uns, dass wir doch bei ihm essen wollen. Wir lassen uns um den Finger wickeln. So viel dazu, dass ich nicht auf fliederfarbenen Stoffbezügen sitzen wollte. Man muss auch mal flexibel sein und eine gewisse Toleranz walten lassen - sei es zu fliederfarbenen Bezügen …

Nun, dass Essen ist ausgezeichnet, der Wein sehr gut und es gibt ein paar Komplimente von den Angestellten - alles im Preis inbegriffen. Wir bereuen "unsere" Entscheidung nicht.
Für italienische Verhältnisse sind wir recht früh dran mit dem Essen. Während wir schon einen Gutteil unseres Weins getrunken haben, füllen sich die Tische um uns herum und wir haben einiges zu gucken. Meine Freundin stellt fest, dass man die Deutschen doch immer sofort erkennt. Da hat sie wohl Recht, aber mit Italienern, Franzosen, Engländern oder Amerikanern ist es ja genauso. Das ist wie bei den Hunden, da weiß man auch gleich, dass der eine ein Windhund aus Frankreich und der andere ein Rauhhaardackel aus Deutschland ist, sinniere ich.

Schließlich wird es Zeit, sich einen Ort zum Fußball gucken zu suchen. Wir finden einen Pub, in dem diverse Fernseher in unterschiedlichen Größen an der Decke hängen, so dass man aus jedem Blickwinkel des Raumes eine gute Sicht auf das Geschehen hat. Und auf allen läuft zu unserer Freunde das Deutschland-Portugal-Spiel. Es ist nur gemäßigt voll in dem Laden und wir finden einen freien Tisch mit freiem Blick auf einen großen Fernseher. Das Spiel hat bereits begonnen. Zwei Teenager kommen in den Laden, schauen sich suchend um. An unserem Tisch sind noch Plätze frei. Unter der Bedingung, dass sie für Deutschland jubeln, dürfen sie sich zu uns setzen. Kurz darauf kommt auch der Papa hinzu. Wir erfahren, dass unsere Tischbekanntschaft Amerikaner auf kleiner Europa-Tour sind. Und dann fällt auch schon das erste Tor von Schweinsteiger. Der Jubel an unserem Tisch ist groß, die Amis jubeln solidarisch mit und freuen sich für uns. Ja, die wissen, was sich gehört. Beim zweiten Tor - ein Eigentor, das nach einer Vorlage von Schweinsteiger von dem portugiesischem Spieler Petit geschossen wird - fällt mir auf, dass die beiden Männer am Nebentisch seltsam schweigsam sind und irgendwie südeuropäisch und nicht besonders fröhlich aussehen.
"Ich glaube, dass sind Portugiesen", raune ich meiner Freundin zu.
Als einige Zeit Nuno Gomes ein Anstandstor für Portugal schießt, ist meine Theorie bestätigt. Aber die Freude am Nebentisch nützt nichts, Deutschland gewinnt 3:1 und die beiden Portugal-Fans verlassen umgehend nach Abpfiff das Lokal.
Auch unsere amerikanischen Freunde gehen ihrer Wege und wir beschließen, einen netten Abendspaziergang zurück zum Hotel zu machen.

Wir verlassen den Piazza Navona, überqueren den Tiber über eine Brücke und gelangen zu einem kleinen Platz, auf dem ein Nachtmarkt stattfindet. (Später erfahren wir, dass es der Piazza Trilussa war, der Beginn des Zentrums des Römer Nachtlebens ...)
Da wir in diesem Augenblick noch nicht ahnen, wie lang unser Heimweg noch werden wird, schlendern wir gemütlich und vergnügt über den Markt, probieren Schuhe und Schmuck und ich kaufe mir noch ein "versilbertes" Armband. Es ist viel los in dieser Gegend. Vor den Kneipen sitzen und stehen Jugendliche und junge Erwachsene. Es wird getrunken, gegessen, gelacht und geflirtet. Ein buntes Treiben. Wir laufen die Straßen entlang, genießen den Trubel und gelangen schließlich an den Piazza Santa Maria in Trastevere, an dem sich wieder eine Menge Römer und Nicht-Römer eingefunden haben. Meine Freundin zückt ihre Karte und versucht, herauszufinden, wo wir denn gerade sind - erfolglos. An der Stelle auf der Karte, wo wir uns eigentlich wähnen zu sein, gibt es diesen Platz nicht. Schließlich fragen wir den Angestellten eines Restaurants. Er nimmt die Karte zur Hand, faltet sie auseinander und zeigt uns, wo wir sind. Unsere Überraschung ist enorm. Wir sind in die absolut falsche Richtung gelaufen - wodurch sich unser Heimweg mehr als verdoppelt hat. Gut, dass wir gefragt haben, wer weiß, wo wir sonst noch gelandet wären.

Also geht's wieder zurück. Wieder vorbei an Cafes und Kneipen, über den Tiber und unendliche Straßen entlang. Wir versuchen, ein Taxi zu finden, aber wie es immer so ist - wenn man eins braucht, kommt keins. Also marschieren wir tapfer durch die Nacht und so langsam machen unserer Füße sich doch schmerzhaft bemerkbar, ich habe bald mehr Blasen an meinen Füßen als Zehen …

Schließlich, wir vermuten, wir sind irgendwo in der Nähe des Vatikans, hält doch noch ein Taxi und bringt uns zurück zu unserer Herberge. Ich behalte das Taxameter im Auge - denn wir wissen ja, wie das mit diesen Taxis läuft…

Fortsetzung: Sonntag und Fußball 2  
 
© Copyright by Sybille Baecker