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Whisky & Crime: Krimis mit Schuss ...

 
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Sizilien für Anfänger

Und zum Abschied: Palermo

Auch unsere Zeit in Sciacca geht irgendwann zu Ende. Nachdem wir unser Quartier besenrein verlassen haben, fordert die Katze noch eine letzte Streicheleinheit, Hund Rubbia liegt träge im Schatten eines Olivenbaums und gähnt zum Abschied, Doris bringt uns zum Auto. Der Abschied von der Fontana Calda fällt schwer. Nach Ruhe und Entspannung machen wir uns auf den Weg in Siziliens Hauptstadt Palermo.
 
Unser Weg in den Norden der Insel führt uns wieder durch das Inselinnere. Wir fahren über kleine von Olivenhainen umsäumte Nebenstraßen und landen erst einmal in Caltabellotta, wo wir uns tapfer dreimal verfahren. Der Ort scheint direkt in die Felsen geschlagen worden zu sein und gibt uns noch einmal einen herrlichen Blick auf Sciacca und das Meer, bevor wir schließlich den richtigen Weg finden und ins Hinterland verschwinden.
 
Foto: Landschaft
 
CORLEONE
Als Krimifan kann ich mir natürlich Corleone nicht entgehen lassen. Corleone liegt fast genau zwischen Sciacca und Palermo (wenn man einen kleinen Umweg in Kauf nimmt). Auf dem Weg dorthin wird die Landschaft etwas karger. Statt Olivenbäumen säumen nun abgeerntete Weizenfelder zwischen felsigem Gestein die Straße. Die Straße selbst haben wir so ziemlich für uns alleine, anscheinend zieht es sonst niemanden Richtung Norden. Nur hin und wieder überholt uns ein dunkler, teurer Wagen, hinter dessen getönten Scheiben wir keine armen Bauern vermuten ...
Corleone gilt spätestens seit Mario Puzos Erfolgsroman "Der Pate" weltweit als Mafia-Hochburg. Aber nicht umsonst hat Puzo seinen Protagonisten den Namen "Don Vito Corleone" gegeben. Auch wenn die Einwohner des zwischen Felsen gebauten Ortes versuchen, dieses Mafia-Image loszuwerden, so lebten (und leben?) dort noch vor einigen Jahren ein paar hohe Mafia-Persönlichkeiten, wie Salvatore (Totò) Riina, Bernardo Provenzano oder Luciano Liggio.
Foto: Straßen von Corleone Am Ortsschild von Corleone halten wir an, um einen Blick auf die Stadt zu werfen. Der erste Eindruck ist nicht besonders schön und auch auf dem zweiten Blick wird es nicht besser. Wir fahren die kurvige Straße hinunter in den Ort. Enge Gassen, links und rechts verfallene, abgewohnte Häuser. Grau ist die vorherrschende Farbe. Der Ort wirkt dunkel und ungemütlich. Wir machen einen kleinen Streifzug durch die Gässchen. Eine verfallene Kirche (es gibt zahlreiche Kirchen in Corleone) schauen wir uns auch von innen an und sind überrascht von der - wenn auch etwas abgenutzten - Pracht.
Ins "Centro Documentazione Antimafia di Corleone" gehen wir nicht, obwohl es sicherlich ganz interessant gewesen wäre, aber wir wollen nicht so lange in Corleone bleiben.
Foto: Ein guter Espresso So gönnen wir uns nur einen kleinen Espresso in einer Straßenbar und werden hier noch angenehm überrascht. Es ist der leckerste Espresso, den ich bisher auf Sizilien getrunken habe und die Bedienung ist ausgesprochen freundlich. So verlassen wir Corleone mit einem doch nicht ganz so schlechten Eindruck.
 
PALERMO
Man kann es lieben oder hassen. So steht es im Reiseführer. Vielleicht geht auch eine dritte Möglichkeit: Hassliebe.
Mit mehr als 670.000 Einwohnern ist Palermo eine der größten Städte Italiens. Mit den Vororten, die inzwischen schon an die Stadtgrenzen Palermos herangewachsen sind, steigt die Einwohnzahl sogar über eine Million. In einer Bucht zwischen den Bergen Monte Pellegrino und Monte Cantalfano drängt sich die Hauptstadt "muschelförmig" an der Küste zusammen - so übrigens auch der Name der Bucht: "Conca d'Oro" (Goldene Muschel).
Foto: Blick auf Palermo Was aus der Ferne ganz nett aussieht, wird zur Nervenprobe, sobald man mittendrin steckt in Palermos Verkehr. Ähnlich wie in Catania begeben wir uns auch hier auf die aussichtslose Suche nach unserem Hotel. Mehrspurige Straßen werden von Autos und Mopeds zu noch mehr Spuren ausgefahren, dennoch stockt der Verkehr. Man muss sich frühzeitig einordnen, um eine Abfahrt zu bekommen, ansonsten treibt man gnadenlos weiter in der Autokarawane. Doch dieses Mal dauert unsere Suche nicht ganz so lang wie in Catania - wir rufen kurzentschlossen im Hotel an und lassen uns - in einer Mischung aus Englisch und Italienisch - den Weg zum Hotel genau beschreiben. Es liegt etwas ausserhalb des Zentrums am Hang und gibt uns einen schönen Blick auf die Stadt. Statt Meeresrauschen hören wir hier das stetige Rauschen des Verkehrs in der Ferne und sind froh, das wir kein Hotel im Zentrum der Stadt haben. Im Fünf-Minutentakt wird das Rauschen von Polizeisirenen durchbrochen.
Die Carabineri scheinen hier nicht nur ihren Job zu machen, sondern auch einen gewissen Unterhaltungswert für die Touris zu haben. Am nächsten Tag bekommem wir eine Gratisshow von zwei Motorrad-Cops. Von Weitem schon hört man die Sirenen - übrigens kein Grund für die Parlamitaner die Straße frei zu machen. Die Polizisten heizen mit dem Motorrädern um eine Kurve, überholen dabei gleichzeitig einen Wagen links und rechts, geben noch einmal richtig Gas, um dann auf dem Hinterrad die nächsten Hundert Meter zurückzulegen. Dies scheint in Palermo zum Straßenbild zu gehören, denn nur mein Mann und ich schauen uns verdutzt nach dieser Showeinlage an.
Abgewohnte Häuser Prachtbauten
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Palermo: Dichtgedrängte Hochhäuser, prächtige Villen die sich am Stadtrand den Hang hinauf schlängeln. Enge Gassen, mit kleinen Läden, prächtige Konzerthäuser und Kirchen. Ruinen und Neubauten. Im Hafen kleine Fischerboote neben luxuriösen Yachten. Geht es noch gegensätzlicher? Wir haben nur einen Tag, um uns einen kleinen Eindruck von Palermo zu verschaffen. Es ist laut und hektisch, durch die schmalen Gassen schieben sich Autos und Mopeds, die Fußwege sind so schmal, das man nicht zu zweit nebeneinander gehen kann. Es riecht nach Abgasen, die Luft kann nicht entweichen. Wir streben dem Ende der Gasse zu, Richtung Hafen. Hier wechselt der Geruchscocktail - Maschinenöl vermischt sich mit dem Odeur toten Fisches. Über uns strahlt die Sonne von einem azurblauen Himmel.
Palermo kann man kaum beschreiben - man muss es erleben.
 
Foto: Kathedrale von Monreale Unsere Reise neigt sich dem Ende zu. Bevor wir uns aber auf den Weg zum nahen Flughafen machen (ca. 30 Kilometer westlich von Palermo), machen wir noch einen Ausflug nach Monreale. Monreale ist circa acht Kilometer von Palermo entfernt in 300 Metern Höhe. Eigentlich merkt man aber kaum, das man Palermo verlassen hat. Lediglich das Ortsschild deutet die Ortsveränderung an. Der Verkehr schiebt sich langsam durch die wieder einmal sehr engen Straßen. Auf der Suche nach einem Parkplatz landen wir in einer Art Mini-Parkhaus-Werkstatt-Was-auch-immer. Hier bietet man uns an, den Wagen zu parken - wo, ist uns nicht ganz klar. Dazu sollen wir jedoch den nicht besonders vertrauenserweckenden jungen Männern unseren Autoschlüssel anvertrauen. Da wir unser gesamtes Gepäck im Auto haben, überlegen wir es uns anders und fahren weiter. Am Ortsausgang gibt es einen öffentlichen Parkplatz mit einer geringen Parkgebühr. Wir spazieren von dort zurück in den Ort, um uns die berühmte Kathedrale von Monreale anzusehen.
Foto: Kathedrale von Monreale Es ist die größte und prächtigste Kathedrale Siziliens. Sie wurde zum Ende des 12. Jahrhunderts erbaut und ihr gesamter Innenraum ist auf über 6000 Quadratmetern mit unzähligen Mosaiken verziert. Die Mosaiken zeigen Geschichten aus dem Alten und Neuen Testatment - sie sollten dem "einfachen Volk" (vermutlich die des Lesens nicht kundigen) die Bibel näher bringen. Es ist angenehm kühl in der Kathedrale und so kann man eine ganze Zeit verweilen und sich die einzelnen Mosaiken in Ruhe anschauen. Gegen eine Gebühr kann man auch einen Turm besteigen und die Aussicht auf den Domplatz geniessen.
Im Anschluss wandern wir wieder durch die Gässchen zurück, kaufen zum Andenken an Sizilien eine "Trinakria" aus Steingut und finden unser Auto samt Gepäck dort wieder, wo wir es abgestellt haben.
 
 
Foto: Flughafen Palermo
 
Bevor wir Sizilien endgültig verlassen, machen wir noch einen Espresso-Stop in Terrasini. Ein kleiner, beschaulicher Ort im Schatten des Flughafens, der von Fischerei und Tourismus lebt. Von hier aus hat man einen herrlichen Blick auf die startenden und landenden Flugzeuge. Der Wind steht gut, sodass man vom Fluglärm nicht allzu viel mitbekommt.
Wenige Stunden später schauen wir von einem dieser Flugzeuge noch einmal zurück.
 
Ciao Sicilia!

 

© Copyright by Sybille Baecker